Gedankenreich

Die Nacht des blauen Lichts

Tagsüber sind wir in Hamburg ein wenig rumgelaufen, sind dann zur Alster gefahren und dort ein wenig rumgelaufen. In einem Café an der Binnenalster (mit einem ziemlich nervigen Kellner mit „Prego, Senora“, „Nur zum Essen“  und „Yes“ zu allem) haben wir zu Mittag gegessen und einen leckeren Nachtisch genascht. Als wir uns dann mit meinem Cousinchen und ihren Eltern, also meinem Lieblingsonkel und meiner Tante kurzgeschlossen hatten, dass wir abends zusammen essen gehen, haben wir gemerkt, dass es schon ganz schön spät ist, und dass wir gar keine Zeit mehr haben, vorher noch zur Speicherstadt zu gehen. Also haben wir uns schon mal auf den Weg gemacht, um zu unserem Treffpunkt zu gelangen.

Woran wir als Nicht-Hamburger bei unserer ganzen Überlegung nicht gedacht hatten, war die Tatsache, dass am 1. Mai hier immer Randale ist. Das merkten wir schon, als wir in unmittelbarer Nähe um unseren Treffpunkt herum noch ein wenig die Gegend erkundet hatten und überall schon Polizei-Mannschaftswagen und Wasserwerferwagen rumstanden. Das wirkte schon für uns Kleinstädter sehr bedrohlich!

  

Näher bin ich nicht rangekommen, weil wenn die Polizisten, die wahrscheinlich eh schon genervt und gereizt sind wegen den Kravallen, gemerkt hätten, dass ich fotografiere, hätt’s wahrscheinlich ziemlichen Stunk gegeben…

Aber abends wurde es noch ’ne Nummer derber. Mein Cousinchen meinte schon vorher, dass dann immer alles um unseren Treffpunkt abgeriegelt würde und niemand mehr raus und rein könnte. Bereits als es dann erst auf 20:00 Uhr zuging, wo wir uns treffen wollten, fuhren nur noch merkwürdig wenige Autos auf den Straßen herum. Wir konnten aber noch ohne Weiteres ins Restaurant gehen. Während des Essens war dann immer häufiger die Polizeisirene zu hören. Erst noch weiter entfernt, dann rasten auch immer wieder – und immer mehr – Einsatzfahrzeuge direkt am Restaurant vorbei. Das letze Mal waren es ungelogen mindestens 20 Mannschaftswagen (6-Packs und größer) die da vorbei gebrettert sind. Und da wird es einem Kleinstädter sowieso, aber auch meiner Cousine, die in unmittelbarer Nähe des Unruherdes wohnt und das kennt, mulmig zu mute.

Als einige Mannschaftswagen direkt vor dem Restaurant am Straßenrand hielten, haben wir beschlossen, dann doch schnell zu gehen. Meine Cousine hatte nämlich erzählt, dass sie ein Jahr mal in einer Kneipe von der Polizei festgesetzt wurde und nicht gehen durfte, als der Tumult losbrach. Ein anderes Mal durfte sie wohl nicht mehr in ihre Wohnung, weil davor uniformierte und mit Schutzschild und Helm geschützte Polizisten dicht gemacht hatten…

Das Zeichen eines Polizisten „Helme auf“ war dann auch für uns das letzte Zeichen, dass der Abend für uns in dieser Gegend jetzt beendet ist! Mit einem lieben Privattaxi wurden wir dann noch bis zum Hotel gefahren…

Auch unterwegs begegneten uns immer wieder Einsatzwagen, die mit Blaulicht zu einem weiteren Unruheherd rasten…

(Noch mehr) Gedanken dazu:

  • Was geht da wohl genau ab?
  • Welche Stimmung herrscht dort?
  • Da möchte ich um nichts in der Welt rein geraten!
  • Da möchte ich jetzt auch nicht Polizist sein!
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