{"id":3064,"date":"2010-04-02T13:12:42","date_gmt":"2010-04-02T12:12:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.planet-ari-um.de\/blubs\/?p=3064"},"modified":"2019-03-06T16:13:15","modified_gmt":"2019-03-06T15:13:15","slug":"unter-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.planet-ari-um.de\/?p=3064","title":{"rendered":"unter Berlin"},"content":{"rendered":"<p>Nach einem Mittag bei einem edlen Italiener haben wir uns Karten f\u00fcr eine F\u00fchrung in die Unterwelt geholt.<\/p>\n<p>Die F\u00fchrung ging um 16:15 Uhr los. Rund 1,5 Stunden haben wir dann in einem Bunker unter Berlin verbracht. Das war wirklich super interessant. Fotos durfte man leider keine machen, weil irgendwelche Bl\u00f6ds\u00e4cke die Fotos unsch\u00f6n\u00a0bearbeitet und ins Netz gestellt hatten&#8230; Als erstes waren wir in der Gas-Schleuse.\u00a0Dort erhielten wir dann noch erste Anweisungen f\u00fcr den Rundgang.<\/p>\n<p>Eigentlich war die Schleuse dazu gedacht, den \u00dcberdruck des Bunkers aufrecht zu erhalten, wenn Menschen herein kamen. In der Realit\u00e4t sah es aber anders aus. Die Bunkert\u00fcr und die Au\u00dfent\u00fcr standen offen und erst wenn die ersten Bomben zu h\u00f6ren waren, wurden die T\u00fcren geschlossen.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes ging es zum Abort. Warum das stille \u00d6rtchen als Abort gekennzeichnet wurde, hatte ich bisher noch nie nachgedacht. Eigentlich ist die Erkl\u00e4rung aber durchaus logisch. Abort ist ein durchweg deutsches Wort, was noch aus dem Mittelalter stammt. W\u00f6rter wie Toilette oder WC wollte man im zweiten Weltkrieg nicht benutzen bzw. sollten nicht benutzt werden, weil sie aus feindlichen L\u00e4ndern stammen&#8230;<\/p>\n<p>Die &#8222;Sch\u00fcsseln&#8220;, die da noch zu sehen waren, waren aus anderen Bunkeranlagen zusammen gesucht. Das sind Torf-Klos, d. h. es wird nicht mit Wasser gesp\u00fclt sondern Torf \u00fcber das Gesch\u00e4ft gestreut, so dass der Geruch und die Feuchtigkeit gebunden werden. Urspr\u00fcnglich standen dort richtige Porzellan-WCs mit Trennw\u00e4nden dazwischen. Nach dem Krieg wurde aber alles f\u00fcr den Wiederaufbau rausgerissen und verbaut oder verheizt&#8230;<\/p>\n<p>In der Hauptzentrale des Bunkers, dem Bereitschaftsraum f\u00fcr die armen Leute, die nach einem Angriff als erstes wieder raus mussten, um Tr\u00fcmmer beiseite zu r\u00e4umen und Br\u00e4nde zu l\u00f6schen, waren die\u00a0W\u00e4nde mit einer radioaktiv durchsetzten\u00a0Farbe gestrichen. &#8230; und sind es noch heute. Vorteil dieser Farbe war es, dass sie im Dunkeln leuchtet. Das hei\u00dft, selbst bei Stromausfall konnten sich die Menschen im Bunker zurecht finden und hatten zumindest ein wenig Restlicht. Um zu verdeutlichen wie stark diese Farbe auf Licht reagiert, wurde Papa an die Wand geblitzt. Unsere Reiseleiterin zeigte uns wie man ganz einfach mit einer Taschenlampe lustige Muster an die Wand bringen konnte und erkl\u00e4rte, dass man sich so \u00fcber lange Zeit\u00a0eben diese bei Stromausfall vertreiben konnte&#8230;<\/p>\n<p>Sehr beengend und bedr\u00fcckend wurde es dann in einem &#8222;Aufenthaltsraum&#8220;. Der ganze Raum war mit B\u00e4nken best\u00fcckt. Eigentlich sollten in diesem Raum nur 20 Leute untergebracht werden. In der Realit\u00e4t sah es aber meist anders aus, so dass oft das Doppelte bis Vierfache an Menschen zusammen gefercht dort sa\u00dfen. Zu Beginn des Krieges dauerten die Angriffe oft nur eine halbe Stunde. Gegen Ende des Krieges mussten die Menschen oftmals bis zu 5 Stunden dort ausharren. Das\u00a0Fatale an der Sache war aber zum einen, dass so viele Menschen\u00a0atmeten und schwitzten, d. h. es war sehr hei\u00df und nass dort. Dadurch konnten sich Krankheiten ausbreiten. Das zweite Problem war der Sauerstoff. F\u00fcr so viele Menschen reichte der Sauerstoff einfach nicht aus. Es wurden Teelichter auf verschiedenen H\u00f6hen aufgestellt. Stickstoff sinkt nach unten. Wenn also die\u00a0Kerze auf dem Boden erlosch, wurden die Kinder auf die B\u00e4nke gestellt, wenn die Kerze auf der Bank erlosch, wurden die Kinder auf die Arme genommen. Oftmals sind die Menschen, aus Angst zu ersticken, noch w\u00e4hrend eines Bombenangriffs wieder aus dem Bunker gelaufen.<\/p>\n<p>Jeder durfte nur einen Koffer mit in den Bunker nehmen, der ungef\u00e4hr so gro\u00df wie ein Aktenkoffer war. Darin waren P\u00e4sse (Identifizierung), Fotos (f\u00fcr die Suche nach Vermissten), ggf. Medikamente, etwas zu Essen und zu Trinken f\u00fcr die Kinder\u00a0(zum Ruhigstellen) und alles das, was man zu Geld machen konnte, wenn das Haus weggebombt war.<\/p>\n<p>In Berlin und vielen anderen St\u00e4dten wurden die H\u00e4user nachts verdunkelt, um dem Feind keinen Einblick in\u00a0die Infastruktur der Stadt zu erm\u00f6glichen. Aus diesem Grund fuhren und fahren Krankenwagen und Feuerwehren nur mit blauem Licht. Auf Grund der Kurzwelligkeit war blaues Licht zwar in unmittelbarer N\u00e4he zu sehen, konnte aber von den Fliegern aus nicht mehr gesehen werden.<\/p>\n<p>1994 ist eine verschollene Bombe beim Bau eines Geb\u00e4udes explodiert und hat drei Menschen mit in den Tod gerissen.<\/p>\n<p>Uns verging die Zeit dort unten dank der tollen Erkl\u00e4rungen wie im Flug, aber es war trotzdem ein tolles Gef\u00fchl wieder ans Tageslicht zu kommen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach einem Mittag bei einem edlen Italiener haben wir uns Karten f\u00fcr eine F\u00fchrung in die Unterwelt geholt. Die F\u00fchrung ging um 16:15 Uhr los. Rund 1,5 Stunden haben wir&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[29,15,39],"tags":[46],"class_list":["post-3064","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-geschichte","category-kunst-und-kultur","category-kurz-trips","tag-berlin"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.planet-ari-um.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3064","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.planet-ari-um.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.planet-ari-um.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.planet-ari-um.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.planet-ari-um.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3064"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blog.planet-ari-um.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3064\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":39858,"href":"https:\/\/blog.planet-ari-um.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3064\/revisions\/39858"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.planet-ari-um.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3064"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.planet-ari-um.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3064"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.planet-ari-um.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3064"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}